Am Anfang war es die Neugier. Bei meinem ersten veganen Einkaufsabenteuer im Bioladen um die Ecke fühlte ich mich wie im Urlaub. Rätselhafte Produkte, von denen ich nicht genau wusste, aus was diese gemacht sind, was man dazu essen soll, und was man von Geschmack und Konsistenz zu erwarten hat. Es gab viel neues auszuprobieren, vieles mit dem ich mich nicht auskannte. Da ich in der Küche schon lange sehr selbstbewusst experimentierte, fühlte ich mich in dieser neuen Welt mit Seidentofu und Hefeflocken unerfahren und herausgefordert. Wie soll ich jetzt ohne Eier backen? Kann man Sojamilch überhaupt erhitzen? Wie schmecken diese verschiedenen Sorten von Miso? Wie kann ich meinen eigenen leckeren veganen Käse machen? Und was zum Teufel ist denn Tempeh?

Mittlerweile bin ich auf einem guten Weg, diese Fragen zu beantworten und möchte meine gelungenen Ergebnisse gerne mit anderen teilen. Wie viele Gleichgesinnte, die ähnliche Blogs und Webseiten führen, bin ich keine Expertin, weder was professionelles Kochen, noch was Ernährung betrifft. Ich stamme aus einer Familie, in der viel und gut und gerne gekocht wird. Und obwohl ich eigentlich schon immer relativ gesund gegessen habe, hat mein Schritt zum Veganismus nur sehr wenig mit dem Verlangen nach einer gesünderen Ernährung zu tun. Ethik, Klimawandel und Tierschutz stehen da eher im Vordergrund. Informationen dazu sind leicht zu finden und ich bin zuversichtlich, dass, je konsequenter sich Menschen mit der Realität tierischer Produkte befassen, desto mehr werden sie eine vegane Ernährung auch für sich selbst in Erwägung ziehen.

Da es für mich nicht immer einfach ist, Wissen in Handlung umzusetzen, hilft es mir, das Ganze offen und experimentierfreudig anzugehen. Vegan sein heißt nicht gleich, perfekt sein. Das war insbesondere am Anfang ein beruhigender Gedanke. Man kann immer mal eine Ausnahme machen, sagte ich mir. Ich kann mir jederzeit ein Stück Käse in den Mund schieben, wenn ich’s unbedingt brauche. Aber wann brauche ich schon Käse? Mittlerweile mache ich selten bewusst Ausnahmen – eigentlich nur wenn es gar nicht anders geht und das kommt meist nur auf Reisen vor. Dass ich flüchtigen nostalgischen Versuchungen widerstehen kann, stärkt mich. Und das Verlangen nach Käse und Co. wird ersetzt durch Verlangen nach anderen Leckereien.

Tempeh habe ich mittlerweile immer im Kühlschrank liegen. Aus Cashewkernen sind zwar schon leckere Soßen und Aufstriche entstanden, aber einen echten Käse hab ich immer noch nicht in meinem Repertoire. Ich hoffe, dass diese bescheidene aber immerhin wachsende Sammlung von Rezepten auch euch Ideen und Anregungen zum Genießen gibt.

Dem Veganisums stehen immer noch störrische Vorurteile gegenüber, von wegen, es sei nicht gesund, der Mensch brauche Fleisch (oder wenigstens Milchprodukte und Eier. . .) und irgendwann kämen schon die Mangelerscheinungen. Dass man sich als Veganer bezüglich seiner Eiweißquellen (oh, wie ich dieses Wort hasse, es ist doch Protein!) und anderer Nährstoffen rechtfertigen muss, führt aber immerhin dazu, dass Veganer meist weitaus mehr über ihren täglichen Bedarf an X, Y und Z wissen, als Nicht-Veganer. Informationen zur ausgewogenen veganen Ernährung gibt es reichlich im Internet. Und auf der Seite Ernährungstechnisches gebe ich auch meinen Senf dazu.

Gelegentlich verspüre ich auch das Bedürfnis, mal was anderes zu tun, als nur zu kochen. Mein Freund und ich lesen viel, spielen gerne Scrabble (meistens gewinnt er), sind weitgehend mit Fahrrad, Bus und Bahn unterwegs, schauen uns gelegentlich niedliche Katzenvideos auf YouTube an und, wenn wir uns nicht gegenseitig bekochen, erfreuen wir uns an dem stetig wachsenden Angebot veganer Küche in Berlin. Manchmal sind wir auch außerhalb des veganen Mekkas unterwegs – dann wird’s richtig spannend. Wie uns das Vegansein auf Reisen gelingt und andere Erfahrungsberichte gibt’s auf der Blog-Seite zu lesen.